Die klientenzentrierte Gesprächsführung nach Rogers ist in sozialen und pädagogischen Arbeitsfeldern weit verbreitet. Entwickelt hat Rogers sein Konzept aber als psychotherapeutisches Verfahren. Ganz knapp gefasst geht Rogers davon aus, dass die Klientin ihr Verhalten als nicht kongruent mit ihrem Selbst erlebt und in der Beziehung zur Therapeutin lernt, zunehmend kongruenter und damit letztlich zufriedener zu leben. Deshalb steht bei Rogers nicht die Diagnose im Mittelpunkt, sondern die Klientin (daher „klientenzentriert“).
Es handelt sich bei der Gesprächstherapie um eine bestimmte Art der Gesprächsführung, bei der die Therapeutin sich vollständig auf die Klientin einlässt. Die Methodik kann sich zunächst etwas irritierend anfühlen, vor allem wenn man es nicht gewohnt ist, dass einem jemand wirklich zuhört, um zu verstehen. Im Allgemeinen verschwindet die Irritation aber nach kurzer Zeit und die Klient*innen schätzen es sehr, sich gesehen und verstanden zu fühlen.
Ich bin überzeugt, dass das wichtigste Element der Therapie die Echtheit ist, das reale Zugegensein, dass der Therapeut in die Beziehung einbringt. […] Daher erzielen unsere so grundverschiedenen Therapeuten auf äußerst verschiedene Art und Weise gute Ergebnisse. – Carl R. Rogers
Wichtiger als die Techniken der Gesprächsführung war Rogers die Haltung, mit der die Therapeutin das Gespräch führt. Die Regeln sind:
- Präzises einfühlendes Verstehen, Empathie: Indem ich versuche, Ihre Welt zu verstehen, klärt sich auch Ihr Verständnis von sich und Ihrer Welt.
- Wertschätzung, bedingungsfreies Akzeptieren: Ich bewerte Ihre Verhaltensweisen und Ihr Erleben nicht, sondern akzeptiere und schätze Sie so, wie Sie zu mir kommen.
- Echtheit, Kongruenz: Ich bin mir als Therapeutin meines eigenen Erlebens bewusst, stehe klar dazu und bin Ihnen damit als Mensch ein echtes Gegenüber.
Mir gefällt die Gesprächstherapie so gut, weil sie einerseits zu meiner Grundhaltung passt. Ich will gar nicht die schlaue Expertin sein, die Sie besser versteht als Sie sich selbst und Ihnen das Leben erklärt. Sie haben selbst schon einiges durchgemacht und ich habe da großen Respekt vor. Und andererseits hat die Klient*in die volle Kontrolle darüber, was besprochen wird und wie tief wir in ein Thema einsteigen. Natürlich ist es meine Aufgabe als Therapeutin, Ihnen zu helfen, diese Grenzen zu erweitern. Aber erst und nur, wenn Sie soweit sind.
Die Gesprächstherapie ist sehr gut mit anderen Verfahren kombinierbar und z.B. geeignet, um zu Therapiebeginn eine tragfähige Bindung zwischen Klientin und Therapeutin herzustellen, auf der dann andere Verfahren angewendet werden können.
Sie sind unsicher, ob die Gesprächstherapie das richtige Verfahren für Sie ist? Dann ist das Erstgespräch eine gute Möglichkeit, die Methode kennenzulernen. Rufen Sie an oder mailen Sie mir, um einen Termin zu vereinbaren.
Zum Weiterlesen:
Rogers, C.R. (2020): Eine Theorie der Psychotherapie, 3. Aufl., ERV München
Rogers, C.R. (2023): Therapeut und Klient. Grundlagen der Gesprächspsychotherapie, 26. Aufl., Fischer Frankfurt